Donnerstag, 13. März 2014

Es war einmal eine uralte Tradition: Wolle kämmen


Einreihige Wollkämme

Spinnen macht mir Spaß wenn ich in einer geselligen Runde sitze oder draußen in der Natur, am besten noch beim Schafe hüten.

Richtig Spaß macht es vor allem dann, wenn die Fasern so vorbereitet sind, dass man die Spindel oder Spinnrad nicht ständig anhalten muss um Knötchen, Verschnitt oder Dreck zu entfernen. Es lohnt sich wirklich bei der Faservorbereitung ein paar Minuten mehr zu investieren. Über das Kardieren hatte ich ja schon kurz was geschrieben, deswegen werde ich heute etwas ausführlicher über eine eigentlich uralte, europäische Tradition: das Kämmen der Wolle. Eine Tradition, die leider kaum noch jemand kennt. Es gibt sogar einen Schutzpatron aller Wollkämmer – der heilig gesprochene Bischof von Sebaste - Blasius - der um 316 n. Chr. mit Wollkämmen gefoltert worden ist. Zu seinem Ehren wurden früher am 3. Februar immer Kerzen angezündet.

Wollkämme sind meistens ein- oder zweireihig und man findet diese in gut sortierten Wollläden. Für manche Kämme gibt es sogar extra Halterungen die man an einem Tisch befestigen kann. Zugegeben, gerade günstig sind sie nicht. Man kann sich auch welche selber bauen (lassen). Hierzu findet man im Internet auch Anleitungen. Vorteil der Wollkämme: sie sind meistens klein, leicht und passen deswegen locker in einer (Frauen-)tasche :) . Der Nachteil - Je nach Kammgröße kann man nur eine kleine Menge Wolle kämmen und nur lange Fasern (mind. 6 cm) kann man damit bearbeiten.

Durch das Kämmen:

- werden die Fasern  gestreckt und in eine Richtung gebracht
- kann man Dreck, Verschnitt, Verfilzung ganz einfach entfernen
- werden kurze Fasern aussortiert
- werden die Fasern „aufgeflufft“ (viel Luft zwischen den Fasern - man kann hauch
   dünnen Faden spinnen)


Sehr deutlich zu sehen:
oben die aufgelockerte Wolle, unten die Wolle nach dem Scheren



Wichtiger Hinweis:
Die Die Nadeln sind echt sehr spitz! Beim Kämmen bitte
unbedingt darauf achten dass man nie in Richtung Körper kämmt!
Ein paar Löcher im Bauch oder Arm sind nämlich nicht so der Hit….
  

So, aber nun wird es Zeit mit zu beginnen. Es ist alles ganz leicht! Man legt ein Kamm hin und fängt es wie im Bild an, die Wolle darauf zu legen. 



Hier fangen schon meistens dann die ersten Diskussionen an. Manche Sagen man soll ein Kamm bis max. 1/3 voll machen, andere zur Hälfte, andere machen so viel drauf wie es nur geht. Hier heißt es rumexperimentieren und selber rausfinden was einem lieber ist bzw. mit was man einen besseren Ergebnis erzielt. Welche Faser natürlich gerade bearbeitet wird, spielt auch eine Rolle. Aber wie erwähnt: Experimentieren ist angesagt. Ich persönlich mach ein Kamm halb voll.

Man nehme nun den zweiten Kamm und legt los. Es wird immer „von der Seite gekämmt“ wie im Bild zu sehen ist.

Immer schön von der Seite kämmen aber nicht in Richtung
Körper --> Verletzungsgefahr!

Durch die Bewegungen kann es manchmal passieren dass die Wolle vom ersten Kamm nach oben rutschen und drohen, aus dem Kamm zu fallen. Einfach sanft mit den Fingern den Batzen Wolle nach unten wieder schieben und schon kann man weiter kämmen. Es wird solange gekämmt bist fast alle Fasern von einem Kamm auf dem anderen sind. Übrig bleiben nämlich nur die kurzen Fasern, Verfilzungen etc.  Den gerade beschriebenen Vorgang sollte man mind. 2 mal durchführen. Um so öfters man kämmt, um so sauberer und feiner wird dann der Kammzug am Ende. 


Kurze Fasern, Verschnitt
und Dreck werden beim Kämmen
problemlos aufgedeckt und entfernt


Teil 1 erledigt


Nach der Kämmerei kommt nun der letzte Punkt: Aus der gekämmten Wolle einen Kammzug zu erstellen. Hierfür klemmt man sich den Kamm zwischen den Beinen so, dass die Wolle auf dem Kamm Richtung Boden schaut. Da ich eigentlich gar nicht weiß wie ich es am Besten beschreiben soll gibt es mal wieder ein Bild.  Wer natürlich so eine schicke Halterung für den Tisch hat kann sie natürlich auch benutzen. Nun zieht man ganz vorsichtig die Wolle ein Stückchen „nach vorne“ .  Nun kommt endlich der DIZ zum Einsatz. Wie man einen erstellen kann wurde ja hier schon mal erwähnt Salzteig Diz .


Mit Hilfe eines Hakens / Häkelnadel / Maschenmarkierer zieht man die Wolle ganz vorsichtig durch das Diz Loch. Nun zieht man die Wolle langsam immer weiter durch das Diz durch. Das Diz sorgt dafür dass der Kammzug möglichst gleichmäßig ist. Man zieht so lange, bist der Kamm leer ist und tadaaa….schon ist die Wolle gekämmt und man erhält einen wunderschönen Kammzug. 

 (Bild vom fertigen Kammzug wird noch nachgeliefert - finde es gerade nicht. Hrmf!)


Übrigens, die kurze oder verfilzten Fasern braucht man nicht wegschmeißen. Man kann sie zum Filzen benutzen oder auch zum vorziehen von Samen (klappt wunderbar!)
 
 









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